LONG KU® BEI “FÜR SIE”

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Lebensfreude mit Long Ku®

Gelassen werden wie der Dalai Lama.

Therapeutin Gabriele Lehnen hat eine traditionelle Methode neu belebt. FÜR SIE -Vize Susanne Walsleben hat sie ausprobiert.

Ein warmer Holzfußboden, weiße Ledermöbel, ein zierlicher Schreibtisch, eine weiße Tafel, die sie für Notizen nutzt – bei Gabriele Lehnen (51) fühlt man sich auf Anhieb wohl. Sie ist Gestalttherapeutin und arbeitet als Long Ku® Trainerin. Ihre Praxis hat sie in einer der schönsten Ecken Hamburgs, nur einen Katzensprung von der Alster entfernt. Wer den Weg am Ufer entlang zu ihr wählt, kommt schon entschleunigt an. Ich nehme den Bus, der im Hamburger Verkehrschaos hängen bleibt, und treffe zehn Minuten nach der vereinbarten Zeit ein. So was stresst mich.

Gabriele Lehnen begrüßt mich lächeln. “Gut, dass Sie etwas später kommen, das hat mir Zeit für etwas anderes verschafft.” Gelassenheit – das ist das Erste, war mir an dieser Frau auffällt. Wenn das Long Ku ist, denke ich, möchte ich das auch können.

Aber was, bitte, ist überhaupt Long Ku®? “Ein Training für mehr Freude und Fülle im Leben”, erklärt mir Gabriele Lehnen, “für mehr Leichtigkeit, Erfolg und Selbstwertgefühl.” Der Begriff Long Ku kommt aus dem Tibetischen und bedeutet so viele wie: klarer und freier Geist, der aus der Ebene der Furchtlosigkeit und dem Reichtum an Möglichkeiten einen Zustand höchster Freude erlebt.

Kennengelernt hat Gabriele Lehnen diese Methode bei einem Aufenthalt in Indien, bei dem sie auch den Dalai Lama traf. In den Klöstern begegnete sie dieser ganz speziellen Geisteshaltung, einer Achtsamkeit, die den Menschen zu einer Gelassenheit verhilft, die wir in unserer westlichen Welt oft vergeblich suchen. Das Training, das sie heute anbietet, hat sie selbst entwickelt. Das Ziel? Den Weg zu mehr Lebensglück und Leichtigkeit zu finden.

Wie stellt man seine Gedanken auf den Kopf?

“Wer zu mir kommt”, erzählt Gabriele Lehnen, “fühlt fast immer einen Mangel, empfindet sich in einer Situation, aus der er keinen Ausweg sieht. Der Weg zum Glück ist also versperrt.” Und wie räume ich ihn frei? “Indem wir unsere Gedanken auf den Kopf stellen”, lautet die Antwort der Long Ku Trainerin. Sie bittet mich aufzuschreiben, was für mich persönlich Freude und Fülle bedeutet. Spontan, ohne lange nachzudenken. Sofort fällt mir ein, dass ich gerne viel öfter entspannter reagieren würde, ich will mich nicht so gehetzt fühlten. Wenn ich ehrlich bin, rotiert mein Gedankenkarussell eigentlich unablässig, irgendetwas geht mir immer im Kopf herum.

Gabriele Lehnen fragt mich, ob mein Gehetztsein eher mit speziellen Situationen oder mit bestimmten Menschen zusammenhängt. Ich muss nicht lange überlegen: Ich bin ein Pünktlichkeits-Junkie. Verspätete Busse und Züge, Stau auf der Autobahn – all das zerrt an meinen Nerven. Aber auch meine 16-jährige Tochter, die zum Trödeln neigt, Termine und so weiter und so weiter. “Wie soll ich da entspannt sein?”, frage ich. “mit lauter Gelassenheits-Verhinderern.”

Gabriele Lehnen lächelt und geht an die Tafel. “Ihr Credo heißt also: Ich kann nicht entspannt sein, wenn nichts funktioniert. Diese Satz drehen wir jetzt einfach mal um.” Sie schreibt an die Tafel: Ich kann nur entspannt und glücklich sein, wenn alles funktioniert. Ob das meine Glaubenssatz ist, fragt sie mich. Hallo? Ich bin doch kein Kontroletti. Das hört sich ja an, als wollte ich alles um mich herum unter dem Daumen halten. Das bin doch nicht ich, oder?

Ich starre nachdenklich auf die Tafel. Habe ich tatsächlich abgespeichert, dass Freude und Fülle von zig äußeren Faktoren abhängen? “Solange wir glauben, das wir im Außen etwas ändern müssen, können wir gar nicht entspannt sein.”, erklärt Gabriele Lehnen. “Wirklich gelassen sind wir nur, wenn wir mit dem, was uns begegnet, innerlich ruhig und offen umgehen können. Nicht das Leben macht uns müde”,  sagt Gabriele Lehnen, ” Sondern die Gedanken, die uns nicht guttun, erschöpfen uns.”

Wer hat Macht über uns, wenn wir gestresst sind?

Das trifft dann ja wohl auch auf meine Freundin zu, die glaubt, dass ihr Mann sie in der Wahnsinn treibt, weil er keine Lust zum Ausgehen hat. “Welchen Satz würde Ihre Freundin aufschreiben?” fragt mich Gabriele Lehnen. “Ich habe keinen Spaß am Leben, weil mein Mann immer zu Hause sitzt”, vermute ich. Und auch den Gedanken dreht sie im Long Ku® Training um. “Ich würde Ihre Freundin fragen”, sagt Gabriel Lehnen: “Du kannst also nur glücklich sein, wenn dein Mann aktiv wird. Wem geben wir in solchen Momenten die Macht?” Tja, wer bestimmt dann über meine Lebensfreude oder die meiner Freundin? Wir selbst jedenfalls nicht.

Ich bekomme eine Long Ku® Aufgabe, Sie lautet: Ich versuche zu entspannen, auch wenn um nicht herum nichts funktioniert. Das Ziel: Wenn ich gelassen bin, ohne das sich andere an die Regeln halten, ist das die Freiheit im Geiste, die ich suche. Je weniger Kontrolle, desto mehr Freude, Fülle. Die Formel klingt denkbar einfach. “Ich bin das, was ich glaube”, sagt Gabriele Lehnen. Von alleine kommt die Gelassenheit aber nicht, erklärt sie mir. Abgespeicherte Glaubenssätze umzudrehen muss man trainieren.”

Auf dem Weg nach Hause kommt der Bus pünktlich, dafür verspätet sich mein Regionalzug. Genervte Reisende um mich herum, einen Moment lang flackert auch in mir Ärger auf, ich kann nur entspannen wenn alles funktioniert? Denkste. Ich setze mich auf eine Bank, atme tief doch. Hängt mein Glück an einem Fahrplan? Was für ein absurder Gedanke. Und schon kann ich wieder lächeln.

Artikel erschienen 2013 in der fuer-sie-logo

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 Gabriele Lehnen arbeitet seit 1998 als selbstständige Gestalttherapeutin, macht Einzel- und Paartherapie und bietet auch Ausbildungen und Seminare an. Vor sechs Jahren entwickelte sie ihr Long Ku® – Training. Ziel ist es, die Freiheit und Chancen zu erkennen, die das Leben bietet. Gabriele Lehnen ist der Überzeugung: “Wir sind, was wir denken, und wir können das sein, was wir wollen.